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Der Umgang mit mathematischen Formeln in Dokumenten ist ein ewiges Leiden. Damit sie schön dargestellt werden, benötigt es entweder ein separates Dateiformat wie LateX oder sonst Zusatzsoftware und Plugins für Textverarbeitungs-Programme. Doch es geht auch einfach: Microsoft Word hat seit Jahren einen sehr guten Formel-Editor. Und seit einigen Monaten versteht er nun sogar LateX. Hier kommen die wichtigsten und zeitsparendsten Features.

Mathematische Formeln stellen eine grosse Herausforderung für Software dar. Denn normalerweise halten sie sich nicht an die Grundregeln jeder Darstellung von Text. Zum einen gibt es viele Zeichen, die sonst nie in einem Text vorkommen. Und noch schlimmer: es gibt Zeichen, die sind zwei Zeilen hoch (Summen und Integrale) und andere benötigen nur eine halbe Zeile, dafür sind sie hoch oder tiefgestellt (Inidzes oder Exponenten). Und ganz Schlimm sind die Brüche, die mehrere Zeilen hoch sein können.

Eine sehr elegante Lösung für dieses Darstellungsproblem steht mit LateX zur Verfügung. Dabei handelt sich um ein Text-Format, bei dem der Text mit Markups versehen wird (zum Beispiel für Titel, Bildlegenden, Absätze etc.) und bei dem es eine eigene Syntax gibt, um mathematische Formeln einzugeben. Um die Darstellung muss – und kann – man sich als Autor nicht kümmern. Am Anfang des Dokumentes legt man das Text-Format (zum Beispiel “Article”) fest. Den Rest übernimmt die Software. Das Latex-Script wird am Ende umgewandelt in ein PDF und sieht sehr schön aus. Im akademischen Umfeld ist Latex quasi Standard.

Doch im Schulumfeld ist LateX sehr umständlich. Möchte man gemeinsam an Dokumenten arbeiten, benötigen alle Beteiligten die gleichen Formatvorlagen, und das schnelle Ändern von Dokumenten ist umständlich, weil von jedem Dokument ein Script und ein PDF besteht.

Formeln in Word

Es geht auch einfach! Nämlich direkt in Word. Seit vielen Jahren hat dieses Office-Textverarbeitungs-Programm einen Formel-Editor eingebaut. Und er ist sehr praktisch, weil er es erlaubt, Formeln über die Tastatur einzugeben – ähnlich wie in LateX-Scripts. Und seit einigen Monaten versteht der Word-Formel-Editor sogar die LateX-Syntax.

Möchte man in Word eine Formel eingeben, reicht ein Klick auf ein Schaltfläche oder – noch schneller – die Tastenkombination Alt+* (auf Schweizer-Tastaturen ist das Alt+Shift+3). Dies öffnet dort, wo sich der Cursor befindet ein Eingabe-Feld für Mathematische Ausdrücke. Nun hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man gibt die Formel mit Hilfe der Maus ein, indem man aus dem Menü die entsprechenden Symbole wählt, oder man kennt die Tastatur-Kürzel für die Befehle und gibt die Formel allein über die Tastatur ein.

Um überhaupt eine Formel eingeben zu können, wählt man im Menü “Einfügen” das Symbol

Darauf öffnet sich das Menü, wo die verschiedenen Elemente mit der Maus gewählt werden können:

Eingabe über Tastatur

So weit, so gut. Doch eine Formel mit der Maus einzugeben, ist eine sehr mühsame und zeitaufwändige Sache und für den Alltag nicht wirklich praktikabel. Und wer einmal mit LateX gearbeitet und erfahren hat, wie schnell man ist, wenn man Formeln direkt über die Tastatur erfassen kann, wird sich hüten, zur Maus zu greifen.

Zum Glück bietet hier der Word-Formel-Editor sehr viel Komfort. Denn es lassen sich sämtliche Ausdrücke über die Tastatur eingeben. Möchte man einen komplizierten Bruch eingeben, reicht die Eingabe von “/” und einem Abstand. Daraufhin bietet einem der Editor eine Vorlage für einen Bruch an, so dass man Zähler und Nenner separat ausfüllen kann. Oder “\sqrt” mit einem Abstand wird zu einer Vorlage für eine Wurzel.

Häufige Befehle
Bruch/+Space
Wurzel\sqrt + Space
Potenza^ + Space
SubscriptF_ + Space
Vektor\vec + Space

In die angedeuteten Kästchen lassen sich dann die entsprechenden Ausdrücke eingeben. Auf diese Weise lassen sich im Nu komplizierte Ausdrücke über die Tastatur eingeben.

Die obige Tabelle zeigt nur einige Beispiele. Im Word-Editor gibt es für jedes mögliche Formelelement einen entsprechende Tastenkombination. Eine komplette Liste findet man bei der Ben Gurion Universität (PDF).

Eigene Befehle

Die Liste der Befehle ist sehr umfassend. Und dennoch kann es sein, dass einem ein Befehl fehlt oder ein bestehender Befehl nicht passt. Zum Beispiel ist der Befehl für den Punkt, den man für die Multiplikation braucht, “\cdot”. Dieses Zeichen benötigt man sehr oft und es ist müh- und langsam, jedesmal fünf Zeichen eingeben zu müssen. Abhilfe schafft das Definieren eines eigenen Befehls – zum Beispiel “\m”

Die Befehle für den Formel-Editor sind gut versteckt in der Einstellung “Math. Autokorrektur”. Diese lässt sich auf zwei Arten finden:

Über das Menü “Formeltools” bei der Formeleingabe


Oder über Datei -> Optionen -> Dokumentprüfung



In der dafür vorgesehenen Zeile lassen sich dann beliebige Shortcuts für alle Befehle definieren. Ein Befehl wird normalerweise mit einem Backslash “\” eingeleitet.

Nach der Definition des neuen Befehls steht er sofort zur Verfügung. Wenn man einen Bestehenden Befehl überschreiben möchte, ist dies auch möglich. Dazu kopiert man sich das entsprechende Zeichen (von der rechten Spalte), für das man einen neuen Befehl festhalten möchte. In der obersten Zeile fügt man im rechten Feld das kopierte Zeichen ein. Im linken Feld hält man den neuen Befehl fest. Fertig.

LateX-Untersützung

Seit einigen Monaten lassen sich Formeln im Word-Editor auch in der LateX-Syntax eingeben. Dazu reicht ein einfaches Umschalten vom Unicode-Modus auf den LateX-Modus. Dies geschieht über die folgende Schaltfläche:

Einmal umgeschaltet, lassen sich alle Formeln in der LateX-Syntax eingeben. Nach Abschluss der Formel wird sie von Word “schön” dargestellt.

Der Latex-Modus macht es auch möglich, Formeln aus anderen Dokumenten, die in LateX geschrieben sind, nach Word mit Copy-Paste zu übernehmen. Was allerdings nicht möglich ist, ist die Konvertierung einer Formel von Unicode nach LateX und umgekehrt.

Eigene Tastenkombination für den Start des Editors

Hat man sich mal an den Word-Formeleditor gewöhnt, geht die Eingabe von mathematischen Formeln sehr flüssig. Und durch die gegenüber LateX sehr kurzen Befehle für die verschiedenen Formel-Elemente ist man mit dem Word-Editor auch schneller als in LateX. Was allerdings den Schreibfluss sehr stört, ist der aufwändige Shortcut (Alt+Shift+3) für das Umschalten zwischen Text-Eingabe und Formel-Eingabe. Doch dies lässt sich ändern. Denn Word ermöglicht es einem, für jeden beliebigen Befehl, der in Word zur Verfügung steht, eine eigene Tastenkombination zu definieren – zum Beispiel für den Befehl “Formel Ein/Aus”.

Um dies zu bewerkstelligen geht man wie folgt vor:

Datei -> Opitonen -> Menüband anpassen
Anpassen.. wählen
Dann im linken Bereich “Alle Befehle” und im rechten Bereich “Formel Ein/Aus” wählen
Tastenkombination im rechten unteren Feld eingeben
Bsp: AltGr+f
Danach auf Zuordnen klicken!

Nach der Zuordnung – zum Beispiel von “AltGr +f” lässt sich der Formel-Editor während des Tippens eines Textes starten, ohne dass die Hände die Tastatur verlassen oder seltsame Verrenkungen vollführen müssen. Das ist sehr praktisch und erspart einem viel Ärger.

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