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Massive Open Online Courses

Nachdem die New York Times (02.11.2012) das Jahr 2012
zum Year of the MOOC ausgerufen
hatte, thematisierte 2013 auch der Horizon Report MOOCs
enthusiastisch – als Schlüsseltrend mit einem Zeithorizont von einem Jahr
oder weniger:
„MOOCs verfolgen das Ziel, hochqualitative
Online-Kurse in grossem Massstab unabhängig von Standort und Vorbildung der
Teilnehmenden anzubieten. […] Die Idee, dass Tausende oder gar Zehntausende
Studierende an einem einzigen Kurs teilnehmen, in ihrem eigenen Tempo und
Lernstil arbeiten und gegenseitig ihre Fortschritte bewerten, hat die eLearning
Landschaft verändert.“ (Horizon Report 2013, S.
12)

Ende 2013 boomen MOOCs und MOOC-Tagungen wie die GML2 2013 in Berlin (#gml13) oder das MOOCCamp in Frankfurt (#mooccamp). Nach der „amerikanischen Invasion“ hat Europa aufgeholt. Gemäss dem European MOOCs Scoreboard waren Mitte Dezember 376 europäische MOOCs im Angebot: Spanien 129, UK 69, Frankreich 48, Deutschland 47, Schweiz 22! Rund die Hälfte der Welt-MOOC-Produktion kommt jetzt also aus Europa.

scoreboard_emoocs_01, by Open Education Europa, Licence CC BY 3.0

In Deutschland sind MOOCs für die grossen Printmedien längst ein Thema:

  • Professoren zum Ein- und Ausschalten titelt etwa die Frankfurter
    Allgemeine
      (03.02.2012).
    Sarah Sommer zeigt, wie an der Universität Leipzig ein Techniker vor der
    Vorlesung seine HD-Kamera mit Stativ aufbaut, den Laptop und das Mikrofon
    des Dozenten verkabelt, die Vorlesung digital speichert und schliesslich
    das Material zu einem gegliederten 90-Minuten-Video zusammenschneidet und
    ins Netz stellt. Der Trend zum virtuellen Hörsaal freue die Studierenden
    und zwinge die Dozenten, ihre Vorlesungen zu überdenken. 
  • Profs folgen Studis ins Web2.0: Sören Stange von der Stuttgarter
    Zeitung
    (23.01.2013) weist darauf hin, dass
    immer mehr Wissenschaftler ihre Vorlesungen ins Netz stellen und Professoren ins Web2.0 gehen, in
    dem ihre Studenten längst heimisch sind. 
    • Jan Torge Claussen von der
      Universität Hamburg glaube, dass dieser Trend gerade in Zeiten der Bologna-Reform
      wieder ein interdisziplinäres und interessengeleitetes Studium ermöglichen
      könnte. 
    • Professor Spannagel von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg
      argumentiert mit dem Prinzip der öffentlichen Wissenschaft, was bedeute,
      „dass man nicht nur seine ‚Wissenschaftsprodukte‘ veröffentlicht, sondern
      bereits im Prozess der wissenschaftlichen Wissensproduktion erste Konzepte
      und Ideen online stellt und mit anderen diskutiert.“
  • Der virtuelle HörsaalManfred Dworschak weist im Spiegel (3/2013) mit UdacityedX und Coursera, den drei Grossen der
    Branche, auf den „Dammbruch“ in der Bildungslandschaft hin. Bildung werde zu einer
    global zirkulierenden Handelsware. Auch kleinere Mitspieler würden in der Zukunft
    renommierte Online-Kurse zukaufen und in ihren Lehrplan einbauen müssen. Jörn Loviscach von der Uni Bielefeld nutzt die elektronische
    Vorlesung für eine
    neue Art des Lernens, in der der althergebrachte Frontalunterricht so weit
    wie möglich zurückzudrängen sei: „Die Studenten sehen sich zu Hause
    seine Vorträge an – wann und so oft sie wollen. Wenn sie an die Uni
    kommen, sind sie dann schon im Stoff. Die gewonnene Zeit wird frei zum
    Vertiefen: für Übungen und Diskussionen.“  Er sieht aber auch die
    Gefahren einer „McDonaldisierung der Bildung“. 
  • Weitere interessante Artikel:
    • Christoph Drösser und Uwe Jean Heuser: MOOCs, Harvard
      für alle Welt
      .
       Zeit Online. (21.03.13): „Das Internet revolutioniert die Bildung.
      Onlinekurse bieten die spannendsten Vorlesungen der berühmtesten
      Professoren an – weltweit und zum Nulltarif.“
    • Fridtjof KüchemannFrankfurter
      Allgemeine
       (13.03.2013): Online-Kurse für
      alle. Die Globalisierung der Lehre
      : „Kurse auf
      akademischem Niveau, zugänglich für jeden: Manche halten Massive Open
      Online Courses für das Ende, andere für die Befreiung der klassischen
      Präsenz-Universität. Jetzt bieten die ersten deutschen Hochschulen Kurse
      beim Stanford-Start-up Coursera an“. 

Was sind MOOCs?


Massive Open Online Courses sind frei und kostenlos zugängliche Onlinekurse mit massiven Teilnehmerzahlen – eine Art Web2.0-Variante der
Telekollegsendungen des Bayerischen Rundfunks der 70er Jahre. Es gibt meist keine Hürden für die Teilnehmer und kaum urheberrechtlich geschützte Inhalte (OER)
E-Learning muss nicht einsam sein. Beim MOOC kommt der soziale Aspekt dazu (Ch. Meinel, GML2 2013). Im Idealfall entsteht eine Social Community. Die Teilnehmer sind vernetzt und haben die Möglichkeit, über Inhalte zu sprechen und gemeinsam (Peer Based Learning) zu lernen in virtuellen Lerngruppen virtueller Räume. 
Sie arbeiten zusammen über Chats, Chat-Roulette, Blogs, Wikis, Foren. Sie organisieren sich über soziale Netzwerke wie Twitter, Google+ oder Facebook-Gruppen und helfen einander in Peer-Beratungen. Entscheidungen können über Crowd Voting gefällt werden. Die Teilnehmenden stellen eigene Beiträge ins Netz, auch Podcasts und Videos. Sie erhalten Feedback bei Selbsttests, Hausaufgaben, Klausuren.
Ein MOOC dauert 6 bis 12 Wochen. Der Zeitaufwand liegt zwischen einer und vier Stunden pro Woche. Jede Woche wird ein neuer Kurs freigeschaltet.
Lernkontrollen sind möglich mit Quizzes unterschiedlichster Fragetypen, mit Lehrvideos und integrierten Fragen, mit Aktivitäten-Portofolios oder mit Abschlussprüfungen.
Badges, Zeugnisse und Zertifikate dienen als Belohnung.

MOOC-Arten

  • cMOOC: connectivistisch bzw. construktivistisch konzipierte MOOCs, also die von Downes/Siemens ursprünglich intendierte, seminarähnliche Kursform (e-teaching.org). Merkmale: Autonomie, Diversität, Offenheit , Interaktivität (J. Wedekind, GML2 2013).
  • xMOOC: x steht für Extension. xMOOCs sind instruktional bzw. vorlesungsähnlich konzipiert und haben sehr hohe Teilnehmerzahlen. (e-teaching.org) Sie sind weniger kommunikativ und weniger kollaborativ.
  • Weitere MOOC-Arten sind: bMOOC (blended), sMOOC (small), mMOOC (moderiert), iMOOC (kombiniert mit dem inverted Classroom).

Die neueste Entwicklung deute darauf hin, dass sich kleine bis mittelgrosse Kurse eher bewähren werden. (M. Gaebel, GML2 2013)

Wer sind die Teilnehmer?



Zu den deutschsprachigen cMOOCs OPCO11 und OPCO12 hatten
sich nur ca 13% eigentliche Studenten angemeldet, ca. 60% der Teilnehmenden war aber im
Bildungsbereich tätig, 15% waren Freiberufler. Die Altersgruppe der über
40-Jährigen stellte mit über 50% die Mehrheit der Teilnehmenden, die Gruppe der
31-40-Jährigen war mit 30%, die der 21-30-Jährigen nur noch mit 12% vertreten. (e-teaching.org)
Eine Umfrage in einem xMOOC ergab, dass der Altersdurchschnitt,
zumindest der Personen, die sich an der Umfrage beteiligten, bei 35 Jahren lag, dass über 40% bereits einen Masterabschluss und knapp 10% einen
Doktortitel besassen. 10 bis 15 % schliessen die Kurse ab, z. T. auch bei
Präsenzexamen. (e-teaching.org)
Bei den Teilnehmenden werden verschiedene Beteiligungsmuster unterschieden:
  • No-Shows sind registriert, tauchen aber nie im Kurs auf.
  • Lurker sind zwar dabei, leisten aber keine aktiven Beiträge.
  • Drop-ins engagieren sich nur in den Bereichen, die sie interessieren.
  • Passive Teilnehmer sind Konsumenten, die zwar Videos schauen, Übungen lösen, Forenbeiträge lesen, selbst aber nicht aktiv mitmachen. 
  • Aktive Teilnehmer sind engagiert und aktiv dabei, möchten den Kurs auch abschliessen. 

Kritik an MOOCs

Probleme

  • Gefahr einer Selbstkannibalisierung der Unis (T. Schildbauer, GML2 2013)
  • Die Gefahr einer McDonaldisierung der Bildung (Prof. Loviscach)
  • Die extrem hohen finanziellen und zeitlichen Ressourcen bedingen eine externe Finanzierung. E-Learning wird zum Wirtschaftsfaktor. Neue Geschäftsmodelle tauchen auf.  
  • Datenschutz und Privatsphäre
  • Sehr hohe Dropout-Quoten (durchschnittlich nur 10 – 15 % bestandene Prüfungen)
  • Problem der Qualitätssicherung und Authentifizierung von Prüfungsleistungen.
  • Zertifikate und Kreditpunkte würden für Unis zu grossen Problemen führen (P. Dillenbourg, GML2 2013)

Chancen

  • Lernen überall, zu jeder Zeit, am eigenen Device. Die Entkoppelung von Raum und Zeit führt zu einer neuen Flexibilität und einer neuen Lernkultur. Das Lernen wird enthierarchisiert und demokratisiert.
  • Der althergebrachte ineffiziente Frontalunterricht wird zurückgedrängt. Am eigenen Schreibtisch lässt sich bequemer und organisierter lernen als im Vorlesungssaal. Nachlesen, Nachhören, „Zurückspulen“ wird möglich.
  • Neue Interaktions- und Zusammenarbeits-Möglichkeiten.
  • Fast unglaubliches Vernetzungspotenzial in einer interkulturellen Teilnehmerstruktur. 
  • Partnerschaftliche Bildungsangebote an die Dritte Welt. (M. Gaebel, GML2 2013)
  • MOOCs als Plattform für lebenslanges Lernen! (J. Sucker, MOOCCamp 2013) 

Die grossen Anbieter


  • edX: 2012
    gegründet. Harvard University und Massachusetts Institute of
    Technology. Über 200 Kurse.
edX

COURSERA

  • Udacity: Private Online-Akademie. 2012
    gegründet. Grundlage Informatik-Vorlesungen, Unterrichtssprache: Englisch.

UDACITY

MOOC Beispiele

  • vhsmooc. Herbst 2013. VHS: Joachim Sucker, Ch. Köck, M. Lindner, St. Will. Oberthema „Weblernen mit der Volkshochschule“.
Erste Live-Session: Wecke den Riesen auf – vhsMOOC
Joachim Sucker
  • Mathe-MOOC. Mathematisch denken. 2013. Iversity. Pädagogische Hochschule Heidelberg. Ch. Spannagel, M. Gieding, L. Berger, M. Lindner. Läuft noch, Reinschauen ist erwünscht und lohnt sich!

Mathe-MOOC: „Ich liebe Hasse“,
Prof. Dr. Ch. Spannagel und Janna Spannagel

 

Mathe-MOOC: „Sieb des Eratosthenes“,
Dr. M. Gieding

Weiterführende Informationen

  • e-teaching.org: Open Course. Eine sehr gute Einführung. (Oktober 2013)

In meinem nächsten Post werde ich Quellen präsentieren, wo man MOOCs und MOOC-ähnliche Angebote findet. Für die Lehrerbildung und vielleicht auch für die Schule.
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