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Lange habe ich gesucht. Nun habe ich es gefunden: Ein Framework, das es mir ermöglicht, mit meinen Schülerinnen und Schülern eine Einführung ins Programmieren von Smartphone-Apps zu machen: Thunkable. Die Entwicklungsumgebung ist intuitiv aufgebaut. Programmiert wird mit Blöcken. Die Änderungen sind jederzeit direkt auf dem Smartphone sichtbar. Beim Programmieren hat man Zugriff auf alle Sensoren des Smartphones. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Informatik zu unterrichten am Gymnasium ist mitunter ganz schön schwierig. Einem selbst als Lehrperson und Informatik-Begeisterter ist jederzeit klar, welch tolle und faszinierende Anwendungen man selbst programmieren kann. Doch die Beispiele, die sich auch für den Unterricht eignen, sind oft meilenweit davon entfernt, faszinierend zu sein. Ein wichtiger Teil der Unterrichtsvorbereitung besteht deshalb darin, Anwendungen zu finden, für die sich auch die Schülerinnen und Schüler begeistern können.

Seit langem ist mir klar, dass ich mit den Schülerinnen und Schülern gerne eine Smartphone-App programmieren würde. Doch gleich mehrere Probleme haben mich bisher davon abgehalten. Die grösste Hürde dabei sind die zwei Welten, in die sich die Smartphone-Nutzerinnen und Nutzer begeben mit dem Kauf ihres Gerätes. Die iOS und die Android Welt sind komplett unvereinbar. Möchte man eine App programmieren, muss man sich für eine der beiden Welten entscheiden.

Als ehemaliger Software-Entwickler denkt man bei der App-Programmierung an Android Studio , Visual Studio der XCode. Aber es ist klar, dass sich im gymnasialen Unterricht keines dieser Tools eignet. Erstens kann mit keinem Tool für Android und iOS programmiert werden. Und zweitens ist es für Anfänger sehr unübersichtlich und wenig motivierend, mit diesen mächtigen Tools zu arbeiten.

Online Editoren

Dann bin ich auf den MIT App Inventor  gestossen. Dies ist ein gratis Online-Editor, der es einem erlaubt, in einem Browser eine App für Android zu programmieren. Die Benützung ist unglaublich intuitiv: In einer ersten Ansicht zieht man Elemente (Button, Text-Input, Bilder, Smartphone-Sensoren etc.) in einen Screen hinein. In der zweiten Ansicht versieht man die zuvor ausgewählten Objekte mit Code. Dieser Code-Editor funktioniert genau gleich wie bei Scratch, was nicht überrascht, wurde der App Inventor ebenso wie Scratch vom MIT (Massachusetts Institute of Technology) entwickelt. Das ist genau das Tool, nach dem ich gesucht habe. Einziger Wermutstropfen: Auch der MIT App Inventor kann in der derzeitigen Version nur für die Programmierung von Android-Apps verwendet werden. Eine Version für iOS ist zwar in der Beta-Phase, aber es ist noch nicht klar, wann diese Version wirklich einsetzbar ist.

Nach einigen Recherchen habe ich dann Thunkable gefunden. Dieses Framework wurde von einstigen Entwickelner des MIT App Inventors ins Leben gerufen und  ist ein kommerzieller Anbieter, der sehr ähnlich aufgebaut ist wie der MIT App Inventor. Grösster Unterschied: Mit Thunkable kann man mit dem genau gleichen Editor Apps für iOS und für Android programmieren. Es gibt eine Gratis-Version, die man uneingeschränkt nutzen kann. Im Unterschied zur Pro-Version haben alle programmierten Apps den Status “public” und sind für alle Besucher der Webseite einseh- und nutzbar. Für Anwendungen in der Schule ist das jedoch kein Problem, da keine Apps programmiert werden, die irgendwelche persönlichen oder geschäftlichen Geheimnisse enthalten.

Wie funktioniert Thunkable?

Auf der Seite https://x.thunkable.com/signup legt man sich ein Konto an und loggt sich danach ein. Auf dem nächsten Screen wählt man “Create New App”. Und schon ist man dabei. Man muss keine Einstellungen vornehmen, keine Auswahl iOS/Android treffen, keine Software oder Treiber installieren; nichts. Nach rund 30 Sekunden ist man bereit zur Programmierung der ersten App. 

Im Online-Editor lassen sich sichtbare Bedien-Elemente oder nicht sichtbare Elemente wie ein Speech-Recognizer, ein Translator oder Sensoren-Schnittstellen (auf der linken Seite) in den Screen hineinziehen. Zur Anordnung der Elemente auf dem Screen stehen einfache aber mächtige Layout-Tools zur Verfügung. Auf der rechten Seite des Bildschirms erscheint zu jedem ausgewählten Elemente sehr ausführliche Einstellungs-Optionen, mit denen der Name, das Aussehen und die Position des Elements eingestellt werden können.

Nach dem Auswählen der Objekte für den Screen wechselt man in die “Blocks”-Ansicht, um die Objekte mit Code zu versehen. In Scratch-Manier können Code-Blöcke definiert werden, die das Verhalten der App steuern. Dabei werden die zuvor auf dem Screen definierten Objekte angezeigt samt den dazu gehörigen Code-Elementen. Diese Bedienung ist sehr intuitiv. Macht man einen Fehler oder versucht etwas, das nicht möglich ist, warnt einen der Editor sofort.

Auf dem Smartphone live ausprobieren

Jede Änderung, die man im Editor vornimmt, kann am Smartphone direkt live mitverfolgt werden. Dazu ist es nötig, vom Google Play Store oder vom App Store die App “Thunkable Live” auf dem Smartphone zu installieren. Danach loggt man sich in der App mit der gleichen Mailadresse ein, mit der man sich schon im Editor eingeloggt hat. Sofort hat man Zugriff auf das Projekt, das man im Editor entwickelt. Es ist keine Verbindung über USB nötig, man muss nicht mal im gleichen WLAN sein, wie der Computer, auf dem man die App entwickelt.

Auf diese Weise kann man richtig entwickeln und ausprobieren. So wie man das gewöhnt ist von anderen Editoren. Die Änderungen werden einem dabei direkt auf dem Smartphone angezeigt. Das ist ziemlich beeindruckend. 

Einsatz im Unterricht

Für den Einsatz im gymnasialen Unterricht gibt es auf der Seite von Thunkable (https://edu.thunkable.com/) sehr gute Beispiele von Apps, die man in seinen Arbeitsbereich laden und selber verändern kann. Ebenso gibt es sehr gute Video-Tutorials, die jeden Schritt auf sehr verständliche Weise erklären. Leider sind alle Erklärungen und Videos auf Englisch. Doch die Erklärungen sind recht einfach verständlich für die SuS, die über grundlegende Kenntnisse in Englisch verfügen. Nichtsdestotrotz kommt man nicht umhin, die wichtigsten Schritte und Konzepte mit eigenem Material zu erklären. Aber auch für diese Vorbereitungen sind die Tutorials und Materialen sowie die komplette Dokumentation auf https://docs.thunkable.com/ sehr hilfreich.

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