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Im letzten Semester erstelle ich mit meinen Maturaklassen jeweils eine grössere Aufsatzanalyse.

Ziel dieser Analyse ist eine Gesamtschau, eine abschliessende Auseinandersetzung mit dem eigenen Schreiben. Die SchülerInnen sollen noch einmal Distanz zu ihren Texten gewinnen, mit einem analytischen und selbstkritischen Ansatz: Sie sollen ein Bewusstsein entwickeln für die eigenen Stärken und Schwächen und für die Schreibentwicklung in den vergangenen Jahren.

Grundlage der Analyse ist eine Exel-Vorlage auf OneDrive mit verschiedenen Arbeitsblättern:

Anleitung: Grobübersicht: Organisation, Ziele und Vorgehen.

Aufsatzanalyse: Das zentrale Arbeitsblatt: Hier werden die Einsichten zu den einzelnen Artbeitsschritten festgehalten.

Korrekturraster: Analyse der Korrekturraster und Korrekturzeichen.

Kennzahlen: Hier werden ausgewählte Aufsätze mit Online-Tools auf textstatistische und stilistische Kennzahlen hin analysiert und interpretiert.

Satzstilistik: Satzstilistische Analyse eines Aufsatzes: Satzlängendiagramm, Satzstrukturen, satzstilistische Schwerfälligkeiten.

Checklist: Erarbeiten einer Sammlung konkreter Tipps für das Überarbeiten zukünftiger Texte.

Im zentralen Arbeitsblatt “Aufsatzanalyse” halten die SchülerInnen bei jedem Analyseschritt die wichtigsten Erkenntnisse fest. Am Schluss erstellen sie eine persönliche Checklist für ihre letzten Aufsätze, für den Maturaaufsatz, für das zukünftige Schreiben.

1. Organisation und Textkorpus

Grundlage der Analyse ist eine Auswahl der in den letzten Jahren geschriebenen Texte. Die Schüler bringen die vom Lehrer analog korrigierten Aufsätze mit. Die Texte liegen auch in digitaler Form vor. Wir haben sie auf OneDrive gesammelt in einer zentralen Aufsatzübersicht mit den Links zu den Schülertexten, freigegeben für die ganze Klasse. Hier haben sie auch Zugriff auf alle Feedbacks und alle Überarbeitungen.

Im ersten Schritt definieren sie in einer Liste das Textkorpus, das der Analyse zugrunde liegt, mit der Aufsatz-Nr., dem Datum, der Klassenstufe, dem verkürzten Thema, der Textsorte und der Note.

2. Fragebogen Selbsteinschätzung

Vor der eigentlichen Analyse beantworten die SchülerInnen als Selbsteinschätzung Fragen wie die folgenden:

3. Analyse der Lehrerkommentare

Dann analysieren sie zu einigen der korrigierten Aufsätze die Kommentare und Anmerkungen der Lehrkraft.

4. Korrekturraster und Korrekturzeichen

Strichliste Fehler-Korrekturzeichen

Die SchülerInnen analysieren die Korrekturraster der Lehrkraft.

Sie erstellen zudem eine Strichliste der Korrekturzeichen der Lehrkraft, analysieren diese und ziehen daraus Schlüsse.

Sie versuchen auf Stärken und Schwächen aufmerksam zu werden und Auffälligkeiten in der Entwicklung der einzelnen Bereiche zu sehen.

Analyse Interpunktions- und Orthografiefehler

  • Sie analysieren zu zweit ihre Interpunktionsfehler und repetieren die Regeln der häufigsten Fehler.
  • Bei den Orthografiefehlern gehen sie entsprechend vor.
  • Dann suchen sie auf Plattformen wie Gymbasis oder Orthografietrainer spezifische Übungen, um ihre persönlichen Schwächen auszumerzen.

5. Analyse der Peer Feedbacks

In diesem Arbeitsschritt studieren die SchülerInnen die Peer-Feedbacks, vor allem die Kommentare und Schlusskommentare ihrer Kolleginnen und Kollegen. Wichtiges halten sie sich in ihrem Arbeitsblatt “Aufsatzanalyse” fest.

6. Analyse der Lernnotizen

Die SchülerInnen haben nach der Überarbeitung ihrer Aufsätze immer eine Lernnotiz geschrieben zu ihren Stärken und Schwächen und haben Merkpunkte festgehalten. Sie wussten von Anfang an, dass sie diese im vierten Jahr für eine grosse Aufsatzanalyse benötigen werden. 

7. Kennzahlen von Online-Tools

Jetzt analysieren sie Kennzahlen, die sie mit Online-Tools aus der Toolbox Textanalyse erarbeitet haben. Aus Zeitgründen beschränken sie sich auf die letzten zwei oder drei Aufsätze.

Dazu gehören zum Beispiel: Der Fleshwert, die lexikalische Dichte, der Bullshit Index, die Anzahl Sätze, die durchschnittliche Satzlänge, die Anzahl langer Wörter, der Füllwortanteil, Nominalstil, Phrasen, Modalverben, unpersönliche Sprache, Passivsätze, Anglizismen.

Die Klassenzahlen werden für Vergleichszwecke in einer Excelliste ermittelt. Aus diesem Vergleich können sich weitere Einsichten in eigene Stärken oder Schwächen ergeben.

8. Satzstilistik

Dann analysieren sie mit einer manuellen Auszählung Auffälligkeiten, Stärken und Schwächen ihrer Satzstilistik. Dazu können gehören:

  • eine Analyse der Satzstrukturen
  • das Verhältnis HS/NS
  • Anzahl Relativsätze, dass-Sätze, zu-Infinitive
  • Anzahl Schachtelsätze
  • Ellipsen
  • Nebensatztreppen

Hier liessen sich auch die ersten Sätze analysieren: Stilistik – Der erste Satz.

Beispiel Strukturanalyse

Beispiel Satzlängen-Diagramm

9. Checklist

Am Schluss erstellen sie aus ihren Einsichten eine Checklist. Sie reduzieren die Tipps ihrer Aufsatzanalyse auf diejenigen Punkte, die beim Schreiben konkret umgesetzt werden können.

10. Auswertung

Die SchülerInnen berichten im Plenum in 100-Sekunden-Inputs über ihre wichtigsten Einsichten.

Gemeinsam versuchen wir uns auf Themen zu einigen, die im Unterricht noch einmal aufgenommen werden sollen.

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