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Seit Montag war ich mit sechs verschiedenen Klassen online und versuchte, meinen Unterricht so gut wie möglich zu gestalten. Gerne berichte ich in der heutigen Post über meine Erfahrungen, aber vor allem darüber, wie wir in der kommenden Zeit den Fernunterricht für unsere Schüler idealer gestalten könnten.

Meine ersten Erfahrungen mit Online-Unterricht

Ich unterrichte an einer Kantonsschule im Kanton St. Gallen die Fächer IKA (Information, Kommunikation und Administration), Informatik Module sowie IPT (Integrierter Praxisteil). Unsere Schule arbeitet mit Office 365 und bring your own device. Unsere Schüler besuchen normalerweise die Schule während 33 – 38 Lektionen und haben einen Schulweg von ca. 10 – 120 Minuten pro Tag.

Am Montag um 7:45 waren alle Schüler meiner Klasse über eine Teams-Besprechung online. Ich hatte sie dazu am Sonntag eingeladen. Bevor ich startete, bat ich die Schüler ihre Kamera abzustellen, damit wir nicht unnötig Bandbreite verbrauchen. Anschliessend forderte ich alle Schüler auf, sich kurz zu melden und zu erzählen, wie es Ihnen geht und ob sie über einen Internetanschluss von zu Hause verfügen. Damit dies gut funktionierte, erwähnte ich jeden Namen.

Schulzimmer und Computer
Montag, 16. März 2020 – 8.30 nach der ersten Online Besprechung

Ich war froh, dass alle Schüler über einen Internetanschluss verfügen, so wird niemand ausgegrenzt.

Anschliessend gab ich der Klasse Zeit, Fragen zur aktuellen Situation zu stellen. Nachdem keine weiteren Fragen gestellt wurden, startete ich den «Unterricht»: Ich erklärte ihnen die Ziele bis zu den Frühlingsferien, anschliessend folgte ein kurzer Theorie-Input mit anschliessendem Auftrag.

Den Auftrag finden meine Schüler in unserem Klassenotizbuch im Schülerbereich. Das Klassenotizbuch ist für sie nichts Neues. Damit sie ihre Lösungen kontrollieren können, habe ich ein Video mit den Lösungen erstellt, welches sie über Teams aufrufen können. Zum Abschluss ihrer Lektionen mussten sie ein paar Fragen über Forms beantworten. Ihre Antworte habe ich mir später angeschaut und ihnen eine persönliche Rückmeldung über den Teams-Chat gegeben.

Auftrag in OneNote
Auftrag bis zu den Frühlingsferien in OneNote
Video in Teams
Video von Stream in Teams als Reiter eingefügt

Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass sich die Schüler äussern können, dass der Auftrag für sie klar ist und dass ihre Aufgabe kontrolliert wird. Ebenso ist es nötig, dass die Schüler ein Feedback erhalten. Es ist nicht einfach für sie, zuhause allein zu arbeiten, und deshalb ist eine Anerkennung ihrer Arbeit wichtig. Fast jeder Schüler hat mir nach meinem Feedback eine Rückmeldung gegeben und mir eine gute Woche gewünscht.

Wenn ich mir vorstelle, dass nun jede Lehrperson so vorgeht wie ich, werden die Schülerinnen und Schüler schnell eine Übersättigung der Aufträge haben, zumal diese Woche für sie noch alles neu und spannend ist und sie besonders motiviert sind. Diese Überlegungen haben mich dazu geführt, eine Lösung zu finden, bei welcher die Schüler sowie die Lehrkräfte miteinander das Ziel verfolgen, ihre Bildung voranzubringen.

Wie können wir den Unterricht von zu Hause aus normalisieren?

Wie oben erwähnt, sollten wir als Lehrpersonen den Überblick haben, welche Aufgaben eine Klasse über die Woche bekommt. Die Aufgaben sollten variieren und nicht überborden. Damit dies gelingt, könnte man ein Klassennotizbuch mit OneNote führen. Auf dieses Notizbuch haben die Lehrpersonen, sowie die Schüler Zugriff.

Klassennotizbuch in OneNote Struktur
Mögliche Struktur – Klassennotizbuch

Beim Inhalt würde man einen Abschnitt «Klasse» sowie die weiteren Fächer führen. Der Abschnitt «Klasse» ist die zentrale Schnittstelle für Lehrkräfte und Schüler. Dort schreiben alle Lehrpersonen wochenweise ihre Aufträge in eine Tabelle ein. So ist es für jede Fachlehrperson ersichtlich, was die Klasse schon zu erledigen hat, wie lange der Auftrag ungefähr dauert und mit welchen Mitteln. Zudem sind die Lehrpersonen so in Kontakt und wissen, was die Kollegen machen.

Beispiel Auftrag OneNote
Arbeitsaufträge für eine Klasse ausgefüllt durch Fachlehrpersonen

In den Abschnitten zu den Fächern z.B. «Französisch» kann jede Lehrperson ihren genauen Auftrag formulieren und die Klasse über einen Link zu einer Videokonferenz einladen, Dateien, Videos, Quiz etc. zur Verfügung stellen.

Im Bereich «Schüler» können die Schüler ihre Arbeiten erledigen und die Lehrperson kann den Schülern ein persönliches Feedback geben. Gruppenarbeiten können über den Abschnitt Gruppenarbeiten gelöst werden.

Der Grund, dass ich dies mit einem Klassennotizbuch lösen würde und nicht in Teams, ist, dass Microsoft kommuniziert hat, dass sie befürchten, dass Teams überlastet sein könnten, nicht aber OneNote.

Mir ist bewusst, dass nicht alle Schulen über Teams verfügen, aber dies ist auch nicht unbedingt nötig. Man könnte ebenso ein Word- oder Google-Docs-Dokument unter den Fachlehrpersonen, welche die Klasse unterrichten, teilen und eine Tabelle mit den Aufträgen erstellen. Wichtig wir sein, dass die Lehrpersonen informiert sind, welche Arbeiten die Schüler erledigen müssen. Der Vorteil dieser Zusammenarbeit ist zudem, dass ich z. B. im Fach Wirtschaft nachschauen kann, was behandelt wird, und das in meinem Fach einfliessen lassen.

Weiterhin werden wir als Lehrer unseren Unterricht mit der Klasse, wenn möglich, besprechen. Ideal könnte folgendes Vorgehen sein:

Ablauf einer Online Session mit einer Klasse
Ablauf einer Online Session mit einer Klasse

Der Online-Unterricht ist für uns Lehrkräfte eine neue Erfahrung. In der folgenden Grafik finden Sie ein paar do’s und dont’s, welche uns dabei helfen, guten Fernunterricht zu gestalten.

Digitales Lernen Mach es so

Schon in diesen zwei ersten Tagen mit Onlineunterricht habe ich bemerkt, wie wichtig es ist, dass ich a) die gestellten Arbeiten kontrolliere und b) ein Feedback gebe. Die Schüler sitzen zum Teil allein zu Hause und freuen sich, wenn sie jemand persönlich anspricht, auch wenn es nur virtuell ist.

Chat in Teams mit einem Schüler
Persönlicher Chat mit einem Schüler in Teams

Es ist für uns Lehrpersonen sicher einen Aufwand, ich bin aber überzeugt, dass sich dieser lohnt!

Damit es unseren Schüler zu Hause gut geht, können wir uns auch eine gemeinsame Aufgabe ausdenken. Zum Beispiel eine Fensterputz Challenge. Welcher Schüler hat das Fenster seines Zimmers am schönsten gereinigt? Jeder Schüler erstellt ein Foto oder Clip und Ende Woche wird abgestimmt. Die Fotos könnten z. B. auf OneDrive (Link von Post) oder Google Drive oder der Clip in Flipgrid (Link von Post) gespeichert werden. Eine solche Aufgabe bringt die Klasse zusammen. Ich glaube, wenn man einmal mit einer Wochenchallenge gestartet hat, kommen von den Schülern ganz grossartige Ideen rein.

Die neue Situation, unterrichten von zu Hause aus, bringt ganz neue Ansätze, Ideen, Überlegungen, Ängste, Freuden und vieles mehr mit sich. Das Schöne ist aber, dass wir nicht allein sind, wir haben unsere Lehrerkollegen und unsere Schüler, die sich über unsere Inputs freuen. Nutzen wir doch diese ungewöhnliche Zeit indem wir miteinander arbeiten.

Ich bin deshalb überzeugt, die jetzige Situation kann auch beflügeln.

Tweet von Renée Lechner kann auch beflügeln...

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