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Nebenstehendes Bild habe ich vergangene Woche in meinem Unterricht aufgenommen. Meine Schülerin nutzt das Laptop als Halter für ein Schulbuch. Geschrieben wird auf Papier. Es bringt auf den Punkt, was mich seit längerem ärgert: Das Problem der digitalen Lehrmittel ist noch längst nicht gelöst. Es gibt einen Wildwuchs an Formaten, jeder Verlag bietet seine eigene EBook-Lösung an. Für die Schülerinnen und Schüler sind aber die meisten total unpraktisch. Gibt es einen Ausweg?

Dies ist der letzte Post vor den Herbstferien. Am 27. Oktober sind wir wieder zurück in alter Frische. Wir wünschen einen schönen Herbst.

Mit der Einführung von BYOD-Klassen stellen sich viele organisatorische Fragen für eine Lehrerin oder einen Lehrer. Wie mache ich Prüfungen? Wie verteile ich Aufgaben und korrigiere diese? Wie verteile ich Lernmaterial? Wie gestalte ich Lerngelegenheiten? Auf alle diese Fragen versuchen wir in diesem Blog Antworten oder wenigstens Lösungsansätze zu geben. Doch eine der wichtigsten Fragen im Unterricht haben wir bisher ausgespart: Wie gehen wir mit Lehrmitteln von Verlagen um?

Das ist kein Zufall. Denn in diesem Bereich gibt es bisher keinen befriedigenden Lösungsansatz. Im Gegenteil. Möchte man für die Klasse ein Lehrmittel anschaffen, das auch zum Arbeiten taugt, bleibt meist nur die Variante Buchkauf übrig. Denn im Bereich digitaler Lehrmittel herrscht totaler Wildwuchs.

Ein Vorteil am Einsatz eines portablen Gerätes im Unterricht ist ja, dass es immer greifbar ist, wenig wiegt und alle Materialien an einem Ort auffindbar sind. In diesem Bereich hat sich OneNote als ausserordentlich hilfreich erweisen. Die SuS finden all ihr Material an einem Ort, können es dort bearbeiten, können von der LP zur Verfügung gestellte Lernumgebungen bearbeiten, können eigene Notizen machen, können Medien selber suchen und einbinden. Kurz: OneNote ist jener Ort, wo im Unterricht gearbeitet wird.

Bei der Arbeit mit OneNote gewöhnt man sich sehr schnell daran, dass man in alle Materialien mit dem Stift hineinschreiben, seine eigenen Notizen machen kann. Möchte man nun digitale Lehrmittel im Unterricht einsetzen, müssten diese ähnliche Funktionalitäten haben, damit sie sich nahtlos in den Unterricht einfügen.

So müsste es sein: Lehrmittel müssen mit dem Stift in der gewohnten Umgebung bearbeitet werden können.

Prädikat: Ungenügend

Doch weit gefehlt! Die meisten Verlage bieten zwar irgend eine Lösung an, die es einem ermöglichen, digitale Lehrmittel mit dem Stift zu kommentieren. Doch die Funktionalität lässt bei den meisten zu wünschen übrig. Teilweise muss man die digitalen Bücher im Browser öffnen und hat nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten der Bearbeitung. Teilweise lassen sich die Notizen oft nicht zufriedenstellen speichern. Andere Lehrbücher müssen in einer App des Verlags geöffnet werden. Doch auch dort ist die Situation nicht besser, was die Benutzerfreundlichkeit anbelangt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die derzeit verfügbarem Lösungen für digitale Lehrmittel sehr unbefriedigend ist.

Verlags-Sicht

Trotz dieses Ärgers über die unbefriedigende Situation, habe ich auch Verständnis für die Situation der Verlage. Sie müssen dafür sorgen, dass der Aufwand für die Erstellung eines Lehrmittels sich irgendwie rechnet und im Idealfall sogar ein Gewinn erzielt werden kann. Würden die Verlage ihre Bücher in Form von PDFs abgeben – was im schulischen Alltag das Praktischste wäre, liefen sie Gefahr, dass die Inhalte ohne Rücksicht auf das Copyright wild verteilt und gestreut würden. Dass die Verlage dies mit technischen Lösungen verhindern wollen, ist verständlich. Würde ich auch so machen.

Sicht der Lehrpersonen

Wenn allerdings jeder Verlag seine eigene technische Lösung sucht, um seine Inhalte vor wilder Kopiererei zu schützen, passiert nicht unbedingt das, was sich die Verlage wünschen. Als Lehrperson ist man darauf angewiesen, eine praktikable Lösung zu finden. Und die verlagseigenen E-Book-Readers sind ganz sicher nicht diese praktikable Lösung. Deshalb steht man als Lehrperson in dieser Situation vor unangenehmen Entscheidungen: Soll man den SuS das unpraktische digitale Lehrmittel zumuten? Soll man ganz auf das digitale Lehrmittel verzichten und ein Buch kaufen? Soll man Copyright-Schutz umgehen und das Buch für die SuS scannen und als PDF zur Verfügung stellen?

Jede dieser Entscheidungen hat gewichtige Nachteile. Die Situation ist sehr unangenehm.

Gibt es einen Ausweg?

Wie müsste eine Lösung aussehen, um alle Bedürfnisse abzudecken? Ich bin der Meinung, dass es einen Standard für Educational Resources braucht. Ich plädiere deshalb für die Schaffung einer Plattform, die folgende Funktionalitäten aufweist:

  • digitale Lehrmittel werden von Verlagen und anderen Institutionen zur Verfügung gestellt
  • als Benutzer logge ich mich ein und habe Zugriff auf sämtliche Inhalte, für die ich bezahl habe
  • als Benutzer kann ich zusätzliche Lehrmittel abonnieren/kaufen
  • ich kann meine Materialien bearbeiten, mit dem Stift Notizen machen
  • die Materialien sind von jedem Gerät aus aufrufbar
  • es gibt Schnittstellen, um Materialien in anderen Programm importieren zu können (zum Beispiel OneNote)
  • die Benutzerdaten sind geschützt
  • das Copyright der Verlage und Autorinnen und Autoren ist geschützt

Eine solche Plattform müsste von einer Institution initiiert werde, die keine kommerziellen Absichten hat. Nur so besteht die Chance, dass die Benutzerdaten geschützt bleiben und dass die Plattform das Vertrauen der Benutzer wie auch der Verlage hat.

Leider sind wir von einer solchen Lösung im Moment weit entfernt.

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