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Der heutige Blog hat nicht viel mit Unterricht zu tun – sondern viel mehr mit Unterrichtsferien und natürlich dem Internet. Auf einer Wanderung auf Sardinien zum legendären Monte Tiscali begegnet man den mystischen Ahnen der Sarden, die für die Identität der Insulaner eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig beginnt man zu verstehen, weshalb der Internet-Provider tiscali.it, dessen Name auf die Kultstätte Bezug nimmt, zu einem der grössten Provider Europas geworden ist und dessen Gründer, Renato Soru, auf der Insel eine sehr wichtige Rolle spielt.

Lanaittu-Tal

Monte Tiscali ist ein mystischer Ort auf Sardinien. Erreichbar ist er über eine rund einstündige Wanderung durch das wilde Lanaittu-Tal im Gebiet des Supramonte, dem Rückzugsgebiet der sardischen Hirten, die sich als Banditen gebrandmarkt während Jahrhunderten gegen fremde Obrigkeiten wehrten. Die Wanderung führt durch einen spektakulären Felsspalt (siehe Foto).

Zugang zum Monte Tiscali
Siedlungsreste in der Grotte.

Monte Tiscali gilt in der sardischen  Geschichte als letzter Rückzugsort der Nuragher – quasi die Ureidgenossen von Sardinien. Dort sollen die letzten Vertreter dieser Kultur, die seit ca. 1600 v. Chr. die Insel besiedelt und bebaut haben, nach dem Einmarsch der Römer zurückgezogen haben. Beim Durchgang durch den Spalt kann man sich lebhaft vorstellen, wie sich die Römer gefühlt haben müssen und wie die wilden Nuragher hinter dem Spalt mit ihren Bronzeschwertern auf die Eindringlinge gewartet haben.

Die ganze Siedlung liegt in einer grossen Grotte.

Kurz: Die letzten Nuragher haben sich auf den Monte Tiscali zurückgezogen und haben in der eingefallenen Höhle gewohnt und darauf gewartet, von den Römern eingenommen zu werden. Der Ort ist recht spektakulär, wen man ihn als Tourist besucht. Unter massiven Felsen zwängen sich Reste von Hütten an den Rand der Grotte. Wasser gibt es keines. Land zum Bebauen gibt es ebenfalls keines. Und es ist bis heute nicht ganz klar, wie die Nuragher in dieser Umgebung überhaupt überlabt haben.
Was jedoch ganz klar ist: Jede Sardin und jeder Sarde kennt den Monte Tiscali. Er ist jener Ort, der die sardische Identität prägt wie kein anderer.

tiscali.it

Zwar hat die Insel sehr viel Historisches und sehr viel Natur zu bieten, doch die Identität der Insel, die seit 1861 zur Italien gehört, wird vor allem von der Geschichte der Nuragher-Volkes aus der Bronzezeit geprägt. Seit den Römern war die Insel stets von fremden Mächten besetzt. Alle Unabhängigkeits-Bestrebungen führten zu nichts. Erst in letzter Zeit bildete sich wieder ein sardisches Selbstwertgefühl. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Unternehmer und linke Politiker, Renato Soru. Er gründete 1998 den Internet-Provider tiscali.it mit Sitz in der sardischen Hauptstadt Cagliari. Als Name für sein Unternehmen wählte er den Monte Tiscali, den legendären Rückzugsort der Ur-Sarden. Das Unternehmen entwickelte sich sehr schnell und expandierte über Italien hinaus in Europa und wurde einer der grössten Provider in Europa.
Renato Soru war im Jahr 2000 der reichste Mann in Italien – reicher als Silvio Berslusconi! Dennoch zog er sich 2004 aus dem Unternehmen zurück und wurde Präsident der Region Sardinien. 
2008 musste allerdings seinen Rücktritt, weil er eine Vertrauensabstimmung im regionalen Parlament verlor. Trotz grossen Anstrengungen gelang es ihm nicht, das Amt wieder zu erlangen. Die Kandidaten der Bersluconi-Partei überflügelten ihn stest. Allerdings wurde 2014 mit grossem Erfolg in das Eurpäische Parlament gewählt. 
tiscali.it gibt es immer noch und ist in Italien und in Grossbritannien ein wichtiger Player im Internet-Geschäft. Monte Tiscali wartet immer noch auf eine Ausgrabung, die klärt, wie die Nuragher dort haben überleben können und weshalb sie an diesem zwar mystischen, aber ziemlich lebensfeindlichen Ort haben leben können. 

tiscali.it – Eine Legende

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