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Unser Blog richtet sich an LehrerInnen, die erfahren wollen, wie sie mir ihren SchülerInnen Web2-Tools einsetzen können. In der Realität läuft es aber oft auch in die andere Richtung: Eine Schülerin zeigt dem interessierten Lehrer, was es so gibt. Eine solche Begebenheit liegt diesem Beitrag zu Grunde: Eine Schülerin fotografiert sich selbst in der Pause und schickt das Bild sofort an einer Freundin weiter, und zwar per SnapChat – mit einer Verfallszeit von 2 Sekunden.

Das Teilen von Bildern entspricht offenbar  – nicht nur bei Schülerinnen – einem grossen Bedürfnis.
Doch wer will schon, dass die Schanppschüsse, die man über Whatsapp oder auf Facebook veröffentlicht, für ewig im Internet kursieren. Es müssen nicht mal peinliche oder doofe Fotos sein. Jedes Fotosujet hat ein Anrecht darauf, dass ein Bild auch mal wieder vergessen werden kann.
Auf dieser Idee baut Snapchat auf. Man kann über dieses Netzwerk – ähnlich wie bei Whatsapp – Bilder an seine Kontakte versenden. Allerdings muss man vor dem Veröffentlichen angeben, wie lange das Bild beim Empfänger sichtbar sein soll. Die Skala reicht von 1 bis 10 Sekunden.

Selbstzerstörung

Auf Empfängerseite ist das Bild danach tatsächlich nur für die eingestellte Zeitdauer sichtbar. Es kommt aber noch besser: Das Bild wird auch auf keinem Server gespeichert – mindestens gemäss Eigenwerbung von Snapchat. Es ist einfach wieder weg und vergessen.
Diese Idee ist so brilliant und bestechend, dass Snapchat gemäss http://de.finance.yahoo.com innert zweier Jahre zum Big Player aufgestiegen. Täglich werden bereits bis zu 400 Millionen Bilder auf diese Art geteilt. Das sind mehr als es tägliche Nachrichten auf Facebook gibt.
Auch die Investment-Gambler haben Freude an Snapchat. Das Start-Up gilt in diesen Kreisen als 4 Milliarden Dollar wert.

Wen interessiert’s?

Das Angebot hat bei den Jugendlichen in Amerika eingeschlagen wie eine Bombe – insbesondere bei jungen Frauen. Diese nutzen den Dienst überdurchschnittlich oft. Nach Angaben von Snapchat sind 70% der User Frauen. Und weil die Bilder sofort wieder verschwinden, zeigen diese auf den Instant-Bildern sehr viel Haut. “Sexting” heisst das neu kreierte Wort dafür – aus “sex” und “texting”. Also sexuell aufgeladene Kurznachrichten mit Bild. Im Moment ist die Snapchat-Welle dabei, nach Europa überzuschwappen. In den letzten Wochen konnte dies an einem deutlichen Anstieg von Presse-Artikeln zum Thema beobachtet werden.

Stimmt’s?

Können sich so viele BenutzerInnen täuschen? Ist Snapchat wirklich super? Es ist wie in vielen Bereichen im Internet. Die Idee ist sehr gut. Die Ausführung mangelhaft und einfach zu knacken. Schnell hat sich herausgestellt, dass die Fotos (und Videos) mitnichten gelöscht werden. Mit dem Einverständnis zu den AGBs nimmt man hin, dass Untersuchungsbehörden auf die Server-Daten zugreifen können – auch nachdem die Fotos von den Servern “gelöscht” worden sind. Zudem gibt es Viedeoanleitungen, wie man im Dateisystem des Handys “zerstörte” Bilder und Filme einfach finden, speichern und weiterverbreiten kann. 
Es kommt aber noch schlimmer. Schon kurz nachdem Snapchat seine Erfolgsgeschichte begonnen hat, gab es auch schon Apps, die sofort bei Erscheinen einer Snapchat-Foto einen Screenshot machen und das Bild automatisch für die Ewigkeit speichern – völlig entgegen der Idee der Erfinder und Nutzerinnen.
Eigentlich schade. Denn die Idee dieser Instant-Bilder scheint zu bestechen. Und bei verantwortungsvollem Umgang ist Snapchat tatsächlich unterhaltsam und eine gute Sache.

Links:

Video, wie man Snapchat-Fotos wiederherstellt – http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=xPHsM9gXOnY

Snapchat – Instant Fotos mit Verfallsdatum

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