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Die zunehmende Verbreitung des BYOD-Ansatzes, bei dem Schülerinnen und Schüler mit ihrem eigenen Gerät in die Schule kommen, wirft eine sehr wichtige Frage auf: Wie organisiert man Prüfungen, an denen die Lernenden ihre eigenen Geräte benützen können. Eine Möglichkeit dazu bietet die Software „LanSchool“ von Lenovo. Sie ist schlank und sicher. Leider muss sie sich dafür sehr tief im System einnisten.

BYOD ist das Gebot der Stunde im Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler bringen ihre eigenen Geräte mit. Geräte, die sie kennen, die sie
besitzen, die sie auch für private Zwecke nutzen. Die Zeit der Schulcomputer und Laptop-Wagen neigt sich vermutlich dem Ende zu. Doch wie organisiert man in einer BYOD-Klasse eine Prüfung? Man möchte ja nicht, dass die Schülerinnen und Schüler untereinander kommunizieren und beispielsweise Lösungen austauschen können. Man möchte – je nach Fach – auch nicht, dass sie Informationen in Wikipedia nachschlagen. Aber man möchte, dass sie beispielsweise ein Text- und ein Tabellenverarbeitungsprogramm nutzen können, oder Geogebra oder ein Taschenrechner-Programm.

Das sind keine einfachen Anforderungen. Am einfachsten wäre es wohl, wenn man den Jugendlichen die Rechte auf ihrem eigenen Gerät entzöge und ihnen die Installation gewisser Software vorschreibt und andere verbietet. Aber das dürfte rechtlich nicht durchsetzbar sein, gehören doch die Geräte den Jugendlichen selbst. Da kann man ihnen nicht einfach die Rechte entziehen. Bleibt also nur die Möglichkeit, die Tätigkeiten auf dem Computer während der Dauer einer Prüfung mit der Einwilligung der Jugendlichen zu überwachen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, von denen einige in unserem Blog auch bereits vorgestellt worden sind. (Vergleiche Link-Liste am Ende.)

LanSchool

LanSchool ist eine Software, die fast alle Anforderungen an eine Prüfungs-Lösung in BYOD-Klassen erfüllt. Seit 2012 gehört sie Lenovo, doch die Anfänge des Programms reichen zurück ins Jahr 1986. Die Idee ist schnell beschrieben:

Jeder Bildschirm in der Klasse ist für die Lehrperson sichtbar.
  • Lehrpersonen installieren die Teacher-Version der der Software
  • Schülerinnen und Schüler installieren die Student-Version
  • Jede Person (Schüler wie Lehrerin) ist einem Channel zugeordnet (Klasse, Klassenzimmer oder ähnlich). Für die Dauer einer Prüfung befinden sich die Lernenden im Channel der Lehrperson.
  • Damit kann die Lehrperson:
    • Die Bildschirme aller Schüler sehen
    • Schüler-Applikationen zulassen, verhindern oder beenden
    • Den Zugriff aufs Internet mit einer Black- oder einer Whitelist einschränken
    • Jeder Person in seinem Channel eine Nachricht schicken
    • Dateien auf jeden Computer im Channel kopieren
    • Dateien von jedem Computer wieder einsammeln
  • Je nach Konfiguration könnte die Lehrperson auch den Internet-Verlauf oder die Tastaturanschläge der Schülerinnen und Schüler einsehen (auch in die Vergangenheit)
  • Nach der Prüfung entlässt die Lehrperson die Lernenden wieder. Sie sind dann für die Lehrperson nicht mehr sichtbar.

Clients für alle Betriebssysteme und Schulumgebungen

Ein grosser Vorteil von LanSchool ist die grosse Vielfalt von Clients. So gibt es für alle gängigen Betriebssysteme (ausser Linux) einen Client für Lernende (Students). Die Lehrer-Version (Teacher) gibt es für Windows und OSX. Damit kann man bei fast allen BYOD-Klassen Prüfungen sicher durchführen.

Ein schwieriges Thema ist  das Einpflegen einer Software im lokalen Schulnetz, gibt es doch unzählige verschiedene Netzwerk-Organisationen, die es mitunter schwierig machen können. Denn LanSchool funktioniert nur, wenn es über das lokale Netz (LAN oder WLAN) Daten austauschen kann. Normalerweise geschieht dies mittels Peer-to-Peer-Connection zwischen Teacher und Student. Dazu ist es notwendig, dass LanSchool im Netz einen sich mittels Brodcast verbreiten kann. Dies ist in den meisten Netzen aber unerwünscht. Deshalb gibt es die Möglichkeit, auf einem Rechner einen kleinen Server laufen zu lassen. Dieser sorgt dann dafür, dass die verschiedenen Teilnehmer mittels einem Client-Server-Protokoll miteinander kommunizieren können. So ist es bereits mit einem  Gerät mit 4GB Ram möglich, 500 Clients miteinander kommunizieren zu lassen.

Wir sind im Moment dabei, an unserer Schule die Software auszuprobieren. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt ein Update zu diesem Post machen und über die Resultate der Tests und erste Erfahrungen berichten.

Tiefer Eingriff ins System

Der Ansatz von LanSchool hat auch Nachteile, von denen ich im Moment noch nicht weiss, wie man sie abschwächen kann. Denn das Programm muss, um sicher vor Manipulationen zu sein, tief im System verankert werden. So installiert sich ein Service, der bei jedem Start des Computers automatisch im Hintergrund gestartet wird. Dieser lässt sich weder abschalten noch deaktivieren noch deinstallieren – ausser man deinstalliert das gesamte Paket

Für einen Schul-Computer mag dies akzeptabel sein. Aber wenn die Software auf Geräten installiert werden soll, die den Schülerinnen und Schülern gehören, ist das problematisch. Und man kann sich ohne weiteres vorstellen, dass dieser Eingriff in die Privatsphäre nicht von allen goutiert wird. Im Moment sehe ich keine Lösung für dieses Problem. Man kann zwar die Schüler-Software beim installieren so konfigurieren, dass es wenigstens nicht möglich ist, die Tastatur-Anschläge mitzulesen und den Internet-Verlauf einzusehen. Aber ob das die Jugendlichen beruhigen wird, weiss ich nicht. Von anderen Schulen habe ich gehört, dass die Schülerinnen und Schüler die Software nach jeder Prüfung wieder deinstallieren. Das geht natürlich auch. Wir werden sehen.

 

Links zum Thema:

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LanSchool: Prüfungsumgebung für BYOD-Klassen
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